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Jakobsweg

"Den Jakobsweg" gibt es nicht

Heute durchzieht ein ganzes Netz ausgeschilderter Jakobswege den Westen Europas. Diese beginnen nicht erst in Spanien. Auch in Deutschland, Italien, der Schweiz, und in Frankreich gibt es viele dieser alten Pilgerrouten. Ziel aller Wege ist die galicische Stadt Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens. Hier befinden sich in einem silbernen Schrein in der Kathedrale angeblich sterbliche Überreste des Apostels Jakobus.

Die Grabstätte des Heiligen Jakobus gilt nach Jerusalem und Rom als eines der Hauptziele für christliche Pilger. Die Basis für den Pilgerweg bildet die seit dem 7. Jahrhundert überlieferte Geschichte, dass der Apostel Jakobus auf der iberischen Halbinsel missionarisch tätig gewesen sein soll. Die Legende besagt, dass der kopflose Leichnam des Apostels nach dessen Hinrichtung auf einem Schiff ohne Besatzung den Weg von Jerusalem nach Nordspanien gefunden haben soll. Im Landesinneren, an der Stelle der heutigen Kathedrale soll dieser dann beigesetzt worden sein. Über die Jahrhunderte geriet das Grab in Vergessenheit. Nach der Wiederentdeckung im 9. Jahrhundert begann der Aufstieg des Jakobus zum Nationalheiligen, Soldaten Christi und Maurenbezwinger.

Im Hoch- und Spätmittelalter entwickelte sich eine der größten Pilgertraditionen der westlichen Christenheit. Gerade in den „heiligen Jahren“, wenn der Namenstag des Jakobus (25. Juli) auf eine Sonntag fällt, war der Pilgeransturm immens. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Ab Mitte der achtziger Jahre erlebt der Jakobsweg einen stetigen Aufschwung. Im Jahr 2017 erhielten mehr als 300.000 Pilger im Pilgerbüro von Santiago ihre Compostela, die Bestätigungsurkunde, mindestens die letzten 100 km zu Fuß bzw. mindestens die letzten 200 km mit dem Fahrrad oder zu Pferd zurückgelegt zu haben.

Dem galicischen Priester Don Elías Valiña Sampedro von O Cebreiro ist es zu verdanken, dass der Weg heute hervorragend ausgeschildert ist. Er gilt als Erfinder der „flechas amarillas“, der gelben Pfeile, mit denen der Weg überall markiert ist. Ganz profan kann man sagen, dass die spanischen Jakobswege, insbesondere der Camino Francés, die europäischen Fernwanderwege mit der besten Infrastruktur sind. Neben einer meist guten Ausschilderung befinden sich auch entlang der Wege zahlreiche Pilgerherbergen, welche zu günstigen Preisen einfache Übernachtungsmöglichkeiten bieten.