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(97) Auf den Spuren der Templer

  • Frank Derricks
  • Kurzinformation, Projekt, Tagebuch
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Freitag, 18. Mai 2018: Molinaseca – Cacabelos (23,0 km)

Im Zweibettzimmer der Pension in Molinaseca haben wir beide herrlich geschlafen und sind ausgeruht für die vor uns liegende Etappe. Nach dem Frühstück laufen wir durch den netten Ort und neben der Straße Richtung Ponferrada. Das Wetter ist wieder herrlich. Nach circa drei Kilometern zweigt der Camino links von der Hauptstraße ab und führt über Feldwege und kleine Sträßchen bergab, bis es kurz vor der Stadt wieder etwas bergauf geht.

Die Stadt ist bekannt für die beeindruckende Templerburg, die jedoch nur 129 Jahre unter der Herrschaft der Tempelritter stand. Wir lassen das Bauwerk aus dem 12. und 15. Jahrhundert links liegen, machen aber in Sichtweite der Kirche eine Rast und genießen ein Bocadillo mit Tortilla als vorgezogenen Mittagssnack. Am Flüsschen Sil entlang verlassen wir die Stadt und laufen später durch einen Vorort mit teilweise villenartigen Häusern. Das scheint hier eine „bessere Wohngegend“ zu sein.

Danach führt uns der Weg immer auf einer schmalen Straße durch einige kleine Dörfchen. Die Gegend ist flach. Zwischen Felder beziehungsweise Wiesen befinden sich immer wieder eingezäunte oder ummauerte Grundstücke. Allen gemeinsam ist immer ein mehr oder weniger imposantes Tor, manchmal auch mit gemauerten Säulen und einem großen Torbogen. Dabei ist es egal, ob sich auf dem Grundstück ein Haus, eine Hütte oder nur eine Wiese befindet. Ein beeindruckendes Portal scheint zum guten Ton zu gehören.

Der Weg entlang der Hauptstraße durch Camponaraya fühlt sich kilometerlang an, obwohl es nur ca. 1.500 Meter sind. An einer Weinkellerei machen wir nochmals eine Rast. Von hier führt uns der Jakobsweg auf Feldwegen durch Weinberge und ein kleines Wäldchen bis kurz vor Cacabelos. Die Sonne brennt und Hermine sieht erschöpft aus. Zum Glück ist unser Hotel (ein bisschen Luxus darf sein) direkt am Ortseingang.

Minchen ist platt und macht eine Siesta. Ich arbeite und schreibe am Blog. Heute war für sie der dritte Tag, ihr Körper muss sich erst auf die tägliche Belastung einstellen. Morgen werden wir Ihren Rucksack transportieren lassen; sie soll sich nicht quälen. Ich spüre das Ding auf meinem Rücken ja kaum noch. Manchmal muss ich tasten, ob er überhaupt dabei ist. Im Restaurant des Hotels speisen wir sehr gut, und Hermine verabschiedet sich direkt danach auf’s Zimmer. Ich widme mich wieder der Fotoauswahl, dem Bearbeiten und Hochladen der Bilder, dem Erstellen der Seiten und Karten und natürlich auch dem Schreiben selber. Es ist schon elf, als ich das inzwischen fast voll besetzte Restaurant verlasse, um auch mich zur Ruhe zu begeben.

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