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(90) Durch Gewerbegebiete nach León

  • Frank Derricks
  • Kurzinformation, Projekt, Tagebuch
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Freitag, 11. Mai 2018: Mansilla de las Mulas – León (19,8 km)

Gut ausgeruht starte ich noch vor acht Uhr, komme aber nicht weit. Ich brauche ein Frühstück. Nach einer guten Stunde breche ich tatsächlich auf und verlasse das Dorf über eine Brücke. Der Jakobsweg verläuft hier kerzengerade neben der N-601, einer vielbefahrenen Nationalstraße. Später müssen die Pilger bis hinter Villamoros de Mansilla direkt auf dem Seitenstreifen laufen. Im weiteren Verlauf wird es landschaftlich nicht schöner: Weiter laufe ich neben Straßen und Autobahnen sowie durch Gewerbegebiete und einem Wald von Funkmasten.

Die Blaue Fußgängerbrücke über eine Nationalstraße, vor einigen Jahren extra für den Pilgerstrom gebaut, ist gesperrt. Der Camino führt jetzt bergauf zu einem Hügel, der mit Funktürmen gespickt ist. Von hier geht es über einen recht steilen und staubigen Weg wieder bergab an den Stadtrand von León. Nach der Flußüberquerung sind es nur noch knapp drei Kilometer bis zur wundervollen gotischen Kathedrale mit ihren ca. 1.400 Quadratmetern bemalten Kirchenfenstern.

Ich freue mich auf mein Hostel, welches unweit der Kirche liegt und auf den Bildern ganz toll aussieht. Hier gibt es an jedem Bett separates Licht, eine Steckdose und einen Vorhang für ein kleines bisschen Privatsphäre. Außerdem steht jedem Gast unweit des Bettes ein Schrank mit Kleiderstange und Bügeln sowie ein großes Schubfach für den Rucksack zur Verfügung. Beide Fächer sind abschließbar. Alles ist hell und freundlich gestaltet, und der Schlafraum lässt sich nur von den jeweiligen Bewohnern mittels Chipkarte öffnen. Das ist echt klasse!

Am Nachmittag finde ich eine Bar, die nicht nur Paulaner Weißbier vom Fass anbietet, sondern auch über hervorragendes WLAN verfügt. Zu allem Überfluss gibt es zum Bier auch Tapas, und direkt neben meinem Tisch an der Promenade der Stadt finde ich eine funktionierende Steckdose – was für ein toller Arbeitsplatz! Ich stelle fest, dass ich bis heute circa 3.000.000 Schritte gegangen bin. Bis Santiago sind es noch etwa 300 und bis Finisterre weitere 90 Kilometer. Ich will den Mund nicht zu voll nehmen, aber wenn keine außergewöhnlichen Komplikationen eintreten, sollte das Ziel in den nächsten drei Wochen erreichbar sein.

Den Abend verbringe ich wieder mit Eileen und Michael, welche ich vor der Kathedrale treffe. Auf dem Camino passiert es auch in größeren Städten häufig, dass ich meinen Namen höre; irgendjemand ist fast immer da, den ich kenne. So geht es bestimmt auch den meisten anderen Pilgern. Wir gehen zusammen durch die herrlichen Gassen der Stadt und kehren bei einer Pizzeria ein. Nicht ganz stilecht, auch nicht spanisch aber sehr lecker. Die beiden verabschieden sich recht früh, und so streife ich noch alleine durch das Viertel. Um diese Zeit sehe ich hier kaum noch andere Pilger. Als ich gegen 23 Uhr in das Hostel komme, ist es recht warm im Zimmer, obwohl wir im Moment nur zu dritt sind. Ich lege mich auf die Bettdecke und schließe den Vorhang. Gute Nacht.

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