(82) Spendenbarometer

  • Frank Derricks
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Zunächst möchte ich mich bei allen Spendern für die bisher eingegangenen Spenden von ganzem Herzen, auch im Namen der Kinder der Schmetterlingsgruppe und der Stiftung EiGEN-SiNN, bedanken. Das ist ein super Ergebnis, und so sollte es weitergehen. Danke!

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Donnerstag, 3. Mai 2018: Burgos – Hornillos del Camino (20,8 km)

Heute Morgen bin ich bereits vor sieben mit dem Laptop bewaffnet im Frühstücksraum des Hotels. Es ist noch dunkel, aber die Kaffeemaschine funktioniert schon. Ich suche mir den Tisch mit dem besten Blick auf die gotische Kathedrale aus und starte mein Arbeitsfrühstück mit einem café con leche. Hier sitze ich aber auch auf dem Präsentierteller, denn der Jakobsweg führt direkt an meinem Panoramafenster vorbei. Es ist mir egal, was die anderen Pilger von mir denken.

Nachdem die Vorbereitungen für die heutige Telefonkonferenz beendet sind, geht es um halb neun los. Ich bin wieder auf meinem Zimmer. Bei guter Telefon- und Internetverbindung geht die Arbeit auch inhaltlich zügig voran, so dass ich das Hotel bereits gegen elf Uhr verlassen kann. Nach der Überquerung des Flusses Arlanzón laufe ich durch einen kleinen Park, der wohl bereits zur Universität gehört. Das Wetter ist trüb aber trocken – hoffentlich bleibt das so. Durch eine Vorstadt, die komplett auf dem Reißbrett entstanden zu sein scheint, geht es immer Richtung Westen. Es ist nicht wirklich schön hier, aber wenigstens führt der hiesige Jakobsweg nicht durch Industriegebiete oder direkt auf beziehungsweise an Straßen entlang.

Nach gut sechs Kilometern und einer Bahnunterführung ändert sich das dann. Einem Schild nach zu schließen befinde ich mich hier an einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt des Landes. An dieser Stelle treffen sich drei Autobahnen und zwei Nationalstraßen. Die Jakobspilger werden im Zickzack durch das Straßengewirr geführt. Ich sehe kaum andere Pilger, da die meisten mindestens eine Nacht in Burgos verbringen und die Stadt bereits in den frühen Morgenstunden verlassen haben. Nachdem erneut der Arlanzón überquert ist, laufe ich neben der N-120 nach Tardajos, wo es Zeit für eine kleine Mittagspause wird.

Bis Rabé de las Calzadas geht es auf einer kaum befahrenen Straße weiter. Hier beginnt die nördliche Meseta, eine zwischen 650 und 900 Metern gelegene Hochfläche. In der leicht welligen Landschaft wechseln sich schier unendliche Getreidefelder mit kargen Hügeln und vereinzelten Tafelbergen ab – es ist eine faszinierende Landschaft! Auf Feldwegen aus hellen, kleinen Schottersteinen ist es sehr angenehm zu gehen. Obwohl der Himmel manchmal sehr wolkenverhangen ist, bleibt es – von einzelnen Tropfen abgesehen – trocken.

In Hornillos del Camino habe ich vorbestellt, da ich befürchtete, sonst um 16 Uhr keinen Schlafplatz mehr zu bekommen; es stellt sich als nicht ganz so schlimm heraus. Ein einzelnes Bett war in den drei Herbergen noch frei. In der recht neuen und gepflegten Herberge beziehe ich ein kleines Zimmer im ersten Stock und freue mich, dem Gewusel in den Gemeinschaftsräumen entkommen zu können.

Immer, wenn ich erst spät mit dem Laufen beginne, fühle ich mich abends müde. Trotzdem gehe ich nach dem Abendessen noch in das „Green Tree“, eine Bar, in der heute Livemusik geboten wird. Ich bin nicht der einzige Pilger, und bei Wein oder Bier lauschen wir dem emotionalen Gesang der Künstlerin, welchen sie mit ihrer Gitarre begleitet. Manchmal singen auch Gäste im Duett mit ihr auf der Bühne. Es ist einfach schön, und die Melodien gehen mir noch durch den Kopf, als ich bereits im Bett liege.

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