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(69) Auf den Spuren Hemingways

  • Frank Derricks
  • Kurzinformation, Projekt, Tagebuch
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Freitag, 20. April 2018: Larrasoaña – Pamplona (17,2 km)

Ich hab einigermaßen gut geschlafen und starte ohne Frühstück um viertel nach sieben nach Pamplona, um auf den Spuren Ernest Hemingways zu wandeln. Der spätere Pulitzer- und Nobelpreisträger verbrachte hier einige Zeit während des Spanischen Bürgerkrieges. Immer leicht bergab laufe ich wieder auf herrlichen Wegen entlang des Flüsschens Arga circa vier Kilometer bis Zuriain.

Direkt nach der Überquerung der Brücke finde ich auf der linken Seite ein nettes Café, wo ich frühstücke. Also ich trinke einen „Café con leche“ (CCL) und esse ein Schokocroissant, die hier Napolitana heißen. Überall sind Pilger anzutreffen: Die Infrastruktur ist deutlich besser als noch vor vier Jahren, der Weg wird touristischer. Ob das gut oder schlecht ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich hoffe nur, dass die Menschen, die entlang des Caminos leben, etwas von den Wanderern haben und dass es kein Partyweg wird.

In diesem Jahr verpasse ich nicht die Abzweigung des Jakobsweges und folge der Beschilderung, welche mich ein kurzes Stück unweit einer vielbefahrenen Nationalstraße nach Burlada, einen Vorort von Pamplona, führt. Vier Kilometer laufe ich auf ebener Straße durch den unspannenden Ort, welcher aber deutlich angenehmer ist, als ich ihn in Erinnerung habe. Nach der Überquerung der alten „Puente Magdalena“ halte ich mich rechts und treffe Ken und Robin wieder. Gemeinsam erklimmen wir die Höhen der Altstadt, die – noch immer stark befestigt – oberhalb des Flusses liegt.

Das Café Iruña mit seiner herrlichen Jugendstil-Architektur ist unser erster Anlaufpunkt. Robin ist total durch den Wind. Seit Tagen kann sie ihre Dollars nicht in Euro tauschen, auch nicht bei einer Bank. Mit ihrer Kreditkarte kann sie zwar manchmal bezahlen, aber kein Geld abheben. Ich informiere mich im Internet, laufe zur Touristeninformation und erhalte die selbe Auskunft. Currency Exchange ist in einem nicht allzu weit entfernten Hotel möglich. Ich begleite sie ein Stück auf dem Weg dorthin und kehre zum Café zurück. Eine gefühlte Ewigkeit später ist auch Robin wieder da und freut sich, nun endlich wieder über Bargeld zu verfügen, wenn auch zu einem grausigen Wechselkurs.

Später laufen wir ein gutes Stück bis zu unserem Hostel, welches wir heute einer Pilgerherberge vorziehen, da wir eventuell erst nach 22 Uhr zurückkehren. Nach der Dusche geht es zurück in die Stadt, wo wir Tapas essen und das Stadtleben genießen. Ich ziehe mich erneut ins Café Iruña zurück, um ein wenig den Geist von Hemingway zu spüren und zu schreiben.

Robin holt mich ab, und gemeinsam mit Daniel und Joe, zwei Italienern, die in den Staaten leben, gehen wir zum Paella-Essen. Wir genießen das traditionelle spanische Reisgericht mit vielen Meeresfrüchten und zwei Flaschen lokalen Rotweins. Wir tratschen und lachen viel, um gegen halb elf festzustellen, dass die beiden dringend aufbrechen müssen, um vor Toresschluss in die, nach ihrer Aussage „stinkende Herberge“ zurückzukehren. Der Hinweis des Herbergspersonals war eindeutig: „Wer nicht bis 23:00 Uhr im Haus ist, schläft draußen.“

Auch Robin und ich laufen zu unserem Hostel zurück und schleichen in das Zimmer, dass wir mit vier jungen Pilgerinnen teilen, die wir bereits mehrfach unterwegs getroffen haben. Danke für die Möglichkeit, dieses Leben genießen und diese wundervollen Erfahrungen machen zu können.

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