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(59) Das Knie schmerzt

  • Frank Derricks
  • Kurzinformation, Projekt, Tagebuch
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Dienstag, 10. April 2018: Montréal – Eauze (17,9 km)

Um zwei und um drei Uhr hat es noch geregnet, aber als ich heute morgen aus dem Fenster sehe, ist es nur leicht bewölkt, sogar die Sonne scheint. Beim Frühstück kann ich beim Blick aus dem Fenster Richtung Süden deutlich die schneebedeckten Berge der Zentralpyrenäen erkennen. Das sieht fantastisch aus. Wenn alles nach Plan verläuft, bin ich in neun Tagen am Fuße der Bergkette, allerdings weiter im Westen, wo die Gipfel nicht ganz so hoch und hoffentlich nicht mehr schneebedeckt sind.

Beim Verlassen von Montréal habe ich leichte Schwierigkeiten, den Weg zu finden. Schon mehrmals hatte ich diese Orientierungsprobleme, habe links und rechts verwechselt und mich weder auf der Karte noch in der Realität wirklich zurecht gefunden. Liegt das am Alter? Schließlich bin ich auf dem Jakobsweg und laufe auf fast ebenen und erstaunlich gut zu gehenden Wegen zunächst nach Süden, um dann die südwestliche Richtung einzuschlagen.

In der Nacht hat es offensichtlich viel geregnet. So wie es auch in den vergangenen Monaten fast nur geregnet haben soll. Die Menschen hier verfluchen bereits das vom Himmel kommende Wasser. Die Bäche sind nochmals angeschwollen, und das Wasser steht häufig auch auf Wegen und Wiesen. Manchmal ist keine auch nur halbwegs trockene Stelle zu finden, aber heute ist es weitgehend okay. Ich komme an mehreren total überschwemmten Äckern vorbei. Apropos, ich sehe nur noch wenige Weideflächen, und die Rebflächen nehmen jetzt deutlich zu. Waren gestern und erst recht vorgestern nur selten Weinstöcke zu sehen, häuft sich ihre Zahl jetzt merklich.

Nach einer kurzen Rast an einer Herberge, welche auch ein kleines Café im Freien betreibt, geht es offensichtlich auf einer ehemaligen Bahnstrecke weiter. Der Weg ist nicht asphaltiert aber gut befestigt. Sehr schlammige Stellen sind vergleichsweise selten. Wie für Bahnstrecken üblich, fehlen auch starke Steigungen beziehungsweise starkes Gefälle. Links und rechts säumen Bäume und Sträucher den Weg. Die Ausblicke sind selten und wenig abwechslungsreich.

In Gedanken versunken laufe ich bis Eauze, einem kleinen Städtchen und dem Hauptort des Armagnac. Hier lebten früher die Elusaten, der Volksstamm, der den Truppen Julius Cäsars vor über 2.000 Jahren am längsten Widerstand leistete. Im Café de France kehre ich ein und bestelle einen Kaffee und rufe in mehreren Herbergen an. Entweder keine Antwort oder angeblich voll belegt. Das verstehe ich nicht. Gestern war ich der einzige Pilger in Anitas Herberge und heute, am Dienstag soll plötzlich alles voll sein? Zwei französische Pilgerinnen, die ich bereits gestern in Montréal getroffen habe, übernachten hier im Hause, und so entschließe auch ich mich dazu, hier ein Zimmer zu nehmen. Das kann ich sofort beziehen und ich habe einen Raum ganz für mich.

Die Etappe war mit knapp 18 Kilometern wieder kurz, aber ich spüre mein rechtes Knie. Das hat mich schon in der vergangenen Nacht mehrmals geweckt. Jetzt kann ich nur unter Schmerzen aufstehen. Das Laufen geht einigermaßen. Nach dem Abendessen mit leckerer Pizza bin ich früh im Bett, kann aber nicht schlafen. Ich finde keine angenehme Liegeposition; das Knie schmerzt auch bei kleinen Bewegungen. Schließlich nehme ich eine Schmerztablette und schlafe irgendwann ein. Es ist auf jeden Fall bereits nach zwei Uhr.

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