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Noch 2.218 km bis Santiago

(5) Einer strahlenden Zukunft entgegen

  • Frank Derricks
  • Kurzinformation, Projekt, Tagebuch
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Samstag, 3. Februar 2018: Freiburg – Fessenheim (35,2 km)

Beim Frühstück können wir ein Storchenpaar auf dem Fußballfeld vor dem Haus beobachten. Die ersten dieser Riesenvögel, die ich in diesem Jahr live sehe. Aber was machen Störche Anfang Februar in Deutschland?

Mit Thomas fahre ich in die Innenstadt und bestaune nochmals das Münster, welches eigentlich eine Kathedrale ist. Als ich das Gotteshaus verlasse, fängt es gerade an zu schneien. Also noch einen Cappuccino vor dem Start in einem Café in der Nähe.

Der Schneefall dauert nicht lange, und heute wird sich auch die Sonne ab und zu zeigen. Durch das Breisacher Tor verlasse ich die Altstadt und laufe erst gen Süden und dann nach Westen bis St. Georgen, wo ich in einem Eiscafé eine kleine Pause mache. Der Weg führt bis hier nur durch Vororte und Gewerbegebiete von Freiburg und ist optisch wenig reizvoll.

Nach St. Georgen wird es bis Munzingen wieder deutlich schöner. Über Felder und ein langes Stück durch den Wald bis zur Autobahn, welche ich bei einem Rasthof überquere. Ab jetzt laufe ich teilweise auch direkt an Straßen entlang. Das ist unangenehm und eintönig. Außerdem hat die Sonne ihr kurzes Gastspiel beendet und der Wind frischt auf. Ich bin allerdings froh, dass der Regen den Bereich über mir meidet. Im Norden, Süden und über Freiburg sieht es finster aus, aber bei mir bleibt es trocken.

Da ich keine geöffnete Gaststätte finde, suche ich für meine Nachmittagspause Schutz in einem Bushäuschen in Hausen. Später überquere ich in einem waghalsigen Spurt eine Bundesstraße, um weiter nach Hartheim zu laufen. Bei Penny versorge ich mich noch mit Bananen und Keksen. Sonst hat auch hier nichts geöffnet. Also laufe ich weiter.

Es geht wieder ein Stück an der Autobahn entlang und dann durch den Wald auf eine strahlende Zukunft zu: Das Kernkraftwerk Fessenheim. Vielleicht macht mich das schon ganz wirr im Kopf, denn ich verlaufe mich und komme wieder an einem kleinen Tümpel aus, den ich kurz vorher bereits gesehen hatte. Der rechte Weg ist bald gefunden und ich laufe auf einem langen und geraden Weg am Rhein nach Süden. Rheinkanal und Rhein werden im Zickzack überquert, und ich bin in Frankreich. Hier steht dann auch der Wegweiser, welcher mir sagt, dass es bis Santiago noch 2.218 km sind und es bis Fessenheim noch eine Stunde dauert.

Die Stunde fühlt sich doppelt so lange an, und als ich in dem Dorf ankomme, ist es fast dunkel. In einer Kneipe, die mehr einer Spielhalle gleicht, trinke ich ein großes Wasser und komme mit einem Herrn ins Gespräch, welcher mir ein Hotel empfiehlt, das nur wenige 100 Meter entfernt liegt. Hier will ich nicht nächtigen, denn die Spelunke besticht weder durch Freundlichkeit noch durch Sauberkeit. Im „Au Bon Frère“ miete ich mich ein und bekomme auch Abendessen. Hier isst man zwar nicht wie Gott in Frankreich, aber Schnitzel und Gemüse sind frisch und die Pommes knackig. Abendessen, Frühstück und Übernachtung gibt es für 50 Euro, das passt. Nach ca. 35 km habe ich Erholung verdient.

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