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(40) Geburtstagsvorfeier zu sechst

  • Frank Derricks
  • Kurzinformation, Projekt, Tagebuch
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Freitag, 16. März 2018: -sur-Limagnole – Lasbros (23,0 km)

Die vergangene Nacht war überraschend gut. Ich habe mich gut eingepackt und nicht gefroren. Als ich im oberen Stock des Bettes aus dem Schlafsack krieche, ist es trotzdem sehr frisch. Alle schlüpfen schnell in die Kleidung, erledigen die Morgentoilette und gehen nach unten zum Frühstück. Der Kamin brennt, und Bernadette hat den Tisch bereits gedeckt. Wir haben es nicht eilig und brechen erst gegen halb zehn auf.

Unser Weg verläuft mit kleineren Auf- und Abstiegen zwischen neunhundert und elfhundert Höhenmetern. Am Ortsausgang von Saint-Alban treffen wir auf einen älteren Herrn, der uns ganz aufgeregt begrüßt. Als er von meiner deutschen Herkunft hört, wechselt er sofort zur deutschen Sprache, zumindest für ein paar Sätze. Er ist begeistert, von unseren Zielen zu hören und meint, wir seien die ersten Pilger, die er in diesem Jahr sehe, es würde also jetzt Frühling.

Bei herrlichem Sonnenschein laufen wir wieder über Weiden und durch kleinere Waldgebiete. Gerne würden wir irgendwo eine Kaffeepause einlegen, aber in den winzigen Dörfern entlang des Weges gibt es keine Einkehrmöglichkeit. Erst in Aumont-Aubrac finden wir eine geöffnete Bar, in welche wir einkehren. Gerade rechtzeitig, da es plötzlich anfängt zu hageln wie verrückt. Schnell sind auch Feuerwehr und Rettungswagen auf der Straße. Die kleinen Hagelkörner liegen jetzt – mit Schnee vermischt – zehn Zentimeter hoch auf der Straße. Wir warten hier ab, bis um 15 Uhr der Lebensmittelladen öffnet.

Wir kaufen ein paar Lebensmittel, ein Baguette und einen Sekt für heute Abend. Michel wird morgen 50, will aber vorfeiern, um die Flasche nicht einen weiteren Tag schleppen zu müssen. In unsere Regencapes gehüllt laufen wir am Rand der Straße Richtung Ortsausgang. Kaum einer der Vorbeifahrenden reduziert die Geschwindigkeit und so geraten wir von einer Spritzwasserdusche in die nächste. Wir wenden jedes Mal das Gesicht ab, da es teilweise mannshoch spritzt. Einfach total rücksichtslos!

Unseren Zielort Lasbros erreichen wir erst nach fünf Uhr und rufen am Ortsausgang erneut Danielle, unsere Wirtin, an. Sie ist gerade mit dem Auto in der Nähe und gabelt uns auf; wir sind an der Abzweigung einfach geradeaus gelaufen. Die resolute Dame weiß, was sie will und erinnert mich an meine Oma: Sehr bestimmt, aber herzlich. In der luxuriösen Unterkunft mit acht Einzelbetten in zwei Zimmern und einem weiteren Zweibettzimmer mit eigenem Badezimmer finden wir Unterschlupf mit drei weiteren Wanderern: Romain, Nicolas und Simon. Das Zweibettzimmer bekommt natürlich unsere Prinzessin Natalia zur alleinigen Nutzung.

Zwei der drei jungen Franzosen haben in den vergangenen Nächten im Zelt übernachtet. Allein bei dem Gedanken daran, bei Regen und Schnee draußen zu übernachten, schaudert uns. Zum Abendessen gibt es Spaghetti mit Tomatensauce und Linsen mit Zwiebeln und Karotten. Unser Baguette teilen wir ebenso wie den Rotwein und später den Sekt. Ich schreibe noch meine Erlebnisse der vergangenen Tage auf, da ich einige Tage im Rückstand bin und gehe als letzter ins Bett.

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