Kirche Rue du Compostelle

(12) Extrameilen in die Schweiz

  • Frank Derricks
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Samstag, 10. Februar 2018: Villersexel – Filain (27,8km)

Das Frühstück ist für französische Verhältnisse sehr üppig. Ich nutze die Gelegenheit und schmiere mir vier Minibaguettes, zwei mit Schinken und zwei mit Käse. Das muss als Wegzehrung reichen, denn ich verzichte darauf, ans andere Ende des Ortes zum 1,5 km entfernten Supermarkt zu laufen. Das ist mir zu weit und kostet zu viel Zeit. Es Ist nämlich bereits nach neun Uhr, als ich das Hotel verlasse, und heute stehen ca. 25 km auf dem Plan.

Es nieselt leicht und ich bedecke den Rucksack mit dem Regenschutz. Mir reichen der Hut und die Regenjacke als Schutz vor der Nässe. Zunächst gehe ich auf einem gut ausgebauten Wanderweg ein Stück entlang des Flüsschens Ognon bis nach Moimay. Ab hier geht es teilweise steil bergauf und durch den Wald. Den Zustand der Wege brauche ich nicht zu beschreiben. Auf halbwegs erträglichen Feldwegen laufe ich bei trübem aber trockenen Wetter bergab bis hinter Vallerois-le-Bois. Hier genieße ich mein vorbereitetes Mittagsmahl mal wieder in einem Bushäuschen.

Ab jetzt führt der geteerte Weg für ca. 5 km bis Dampierre-sur-Linotte auf einem ehemaligen Bahndamm. In diesem Nest gibt es einen Bäcker – geschlossen. Die Räume eines ehemaligen Bistros sind zu vermieten. Und dann das Wunder: Der kleine Laden auf der anderen Straßenseite hat tatsächlich geöffnet. So kann ich hier meinen Vorrat an Keksen und anderer Nervennahrung auffüllen.

So richtig hell will es heute nicht werden, und die Strecke zieht sich in die Länge. Ich weiß nicht, ob das trotz oder wegen des Hörbuches ist, das ich seit heute zwischendurch immer wieder höre: Die Säulen der Erde. Das passt, denke ich, ganz gut zum Jakobsweg. Ein kleines, burgähnliches Schloss steht auch in Filain, nur meine Herberge liegt ca. drei Kilometer außerhalb. Ich gehe also die Extrameilen und folge der schlaff an den Holzpfählen hängenden Telefonleitung. Zwei Drittel der Strecke führen an einer Straße entlang, der Rest über einen Waldweg üblichen Zustandes.

Der Umweg hat sich gelohnt. Von Yvonne und Ihrem Mann werde ich herzlich empfangen. In der Stube brennt bereits der Kamin. Die beiden Schweizer betreiben hier einen Bauernhof mit Gîte, ein Etwas zwischen Herberge und Landpension. Im großen Familienzimmer werde ich nächtigen, bin aber nicht der einzige Gast. Später kommen noch fünf Radfahrer, seltsamerweise alle mit dem eigenen Auto. Gemeinsam speisen wir an einem der großen Tische zunächst Quiche mit Salat, dann Hähnchenbrust mit Safran-Pasta und zum Abschluss Stachelbeer-Tarte.

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