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(104) Hustenbonbonwald

  • Frank Derricks
  • Kurzinformation, Projekt, Tagebuch
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Freitag, 25. Mai 2018: Palas de Rei – Boente (21,7 km)

In der modernen Herberge gibt es kein Frühstück, und auch hier ist die Küche nur unzureichend mit Geschirr und anderen Utensilien ausgestattet. Also laufen wir bis in den Ort und frühstücken jeweils ein Croissant mit O-Saft und Tee beziehungsweise Café con leche. Der Wirt ist nicht gerade ein Paradebeispiel für Freundlichkeit, weshalb wir die ungastliche Stätte bald verlassen. Beim Frühstück leistet uns noch Julia aus Hannover Gesellschaft. Ich hatte Sie gestern auf dem Weg getroffen, und heute legt Sie hier im selben Lokal ebenfalls ihre Frühstückspause ein.

Kurz nach Palay de Rei streifen wir zum ersten Mal die ewige Baustelle einer Autobahn von Lugo nach Santiago. Gefühlt hat sich hier in den letzten vier Jahren nichts getan. Immer wieder führt die Strecke durch teilweise tief eingeschnittene Hohlwege. Weiter geht es durch einen Wald. Hier riecht es intensiv nach Hustenbonbons. Ich schaue nach oben in die Kronen der riesigen, glatten Bäume, entdecke aber keine Bonbonfrüchte. Es sind Eukalyptusbäume, welche hier schon seit langer Zeit gepflanzt werden, da sie sehr schnell wachsen. Heimisch sind die Bäume aber primär in Australien und Indonesien.

In Melide ist wieder Zeit für eine Mittagspause. Minchen genießt hier in einem Restaurant, welches Wert auf natürliche und lokale Zutaten legt, einen leckeren Salat mit gebackenem Ziegenkäse. Ich bestelle mir ein getoastetes Bauernbrot mit geräuchertem galizischem Käse und Pulpo (Krake), köstlich. Mit den Massen laufen wir später weiter bis nach Boente, wo wir in einem deutschen Café leckeren Schoko-Sahne-Kuchen verspeisen. Hier kann ich auch endlich mal wieder mit den Schmetterlingen telefonieren. In Freudenstadt sind Ferien, daher ist die Gruppe heute deutlich kleiner als sonst. Wir freuen uns alle auf meine Rückkehr in die Heimat, und ich werde den Kindern viel zu erzählen haben.

In der Herberge haben wir schon wieder Glück und bleiben in einem Zimmer mit zwei Stockbetten alleine. Zur Unterkunft gehört auch eine Bar mit Restaurant. Die Speisekarte unterscheidet sich nicht nennenswert von anderen, doch wir verzichten aufs Pilgermenü. Stattdessen gibt es leckere Spaghetti Bolognese und natürlich Rotwein. Der trägt beim Schlafen in Herbergen ungemein zu einer angenehmen Nachtruhe bei. Auch hier leistet uns wieder die 27-jährige Julia Gesellschaft, die es schon etwas gespenstisch findet, dass wir uns in so kurzer Zeit gleich dreimal über den Weg laufen. Vor dem Schlafengehen vergewissere ich mich nochmals im Spiegel, dass das Gespenstische nichts mit meinem Äußeren zu tun haben kann. Außerdem bin ich heute dankbar dafür, dass der angekündigte Regen ausgeblieben ist.

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